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Cadiz - Festungsperle am Atlantik

Datum: Mai 2019
Art: Individualtrip mit Auto
Ort: Cadiz und Jerez de la Frontera, Andalusien, Spanien
Verfasser: Dirk Röder

 

Cadiz beeindruckt zum ersten Mal beim Überqueren der Puente de la Constitución de 1812 (auch Puente de la Pepa), mit dem Auto über die CA-35 von Puerto Real kommend. Leicht und elegant spannt sich die Brücke an ihren Tragseilen hoch über den Hafen. Ab dem Scheitelpunkt gibt sie den Blick auf die Stadt frei, die weiß glänzend vor uns lag, umrahmt vom Grünblau des Atlantischen Ozeans.

 

Wir folgten bereitwillig dem Navi und stauten uns zwischen Kreuzfahrthafen und Bahnhof bis zur Calle Honduras, die uns durch ein unscheinbares kleines Tor im Nordosten endlich ins Innere der Festungsstadt führte. Weiter ging’s entlang der Festungsmauern, vorbei an der Bastion Candelaria, bis zum Castillo de Santa Catalina, an dem sich ein großer bewachter Parkplatz befindet, der Zielpunkt für unser Navigationssystem.

 

 

Wir bewaffneten uns mit Rucksack und Kamera und erkundeten sogleich das malerisch am kleinen Fischerhafen gelegene Fort. Der Eintritt ist kostenfrei und man kann sich entspannt an der Festungsarchitektur des späten 16. Jh. sattsehen, mit Blick wahlweise auf den kleinen Hafen mit Badestrand, den Atlantik oder das vorgelagerte Castillo de San Sebastian. Ein paar Museumsräume geben interessante Einblicke in die Geschichte des Forts und der Stadt, im Innenhof tobten 2 Grundschulklassen ihre kindliche Energie aus und brachten so ordentlich Leben in die alten Gemäuer.

 

Nach ausgiebiger Inspektion verließen wir das Fort und umrundeten in einem etwa 10-minütigen Spaziergang den Playa de la Caleta, einen schönen Badestrand am ruhigen Fischerhafen. Vorbei am Zentrum für Unterwasserarchäologie und hinter der Schule rechts abgebogen, betraten wir durch ein kleines befestigtes Tor mit innenliegender Restauration den Paseo Fernando Quinones, einen etwa 3m breiten befestigten Damm, der zum weit draußen gelegenen Castillo de San Sebastian führt, das 1706 hier errichtet wurde.

Die 800m bis zum Castillo sind an stürmischen Tagen durchaus tückisch, da sich Wellen auch mal über den Damm brechen, gern wenn sich ortsfremde Fotografen zu lange auf ihm aufhalten. Die Fotos sind jedenfalls grandios und das Hemd trocknete bei 24°C auch recht schnell wieder in der steifen Brise. Bei den Panoramabildern vom Fort blieb es allerdings, weil die Tore des Castillos für Besucher geschlossen waren. Trotzdem zufrieden mit der Ausbeute und belohnt mit einem schönen Blick auf die Skyline von Cadiz machten wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz.

 

Wir wechselten nun unseren Standort zum Parkhaus am Fährhafen (Interparking Canalejas – Carranza), um von hier aus die Innenstadt zu erkunden. Als lohnenswerte Ziele haben wir die Kathedrale zum heiligen Kreuze über dem Meer und den Torre Tavira ausgemacht, beides leicht zu Fuß zu erreichen, wenn man sich nicht im Gassengewirr der Altstadt verliert.

 

Das Navi führte uns auf dem Weg zum Parkhaus an der westlichen Kaimauer entlang, in der sich in einiger Entfernung eine gigantische Kanonenbatterie mit 4x6 Kanonenöffnungen offenbarte.

 

Wieder zu Fuß, wählten wir vom Parkhaus aus die Route über den Plaza de San Juan de Dios, stießen bis zur Kaimauer an der Avenida Campo del Sur vor und umrundeten von dort die Kathedrale, die sicher sehenswert ist. Uns waren jedoch Eintritt und Einlasskontrolle zu aufwendig (bei vollem Verständnis dafür), und so marschierten wir direkt zum 5 Minuten entfernten Torre Tavira. Der Turm stammt aus dem 18. Jh. und in seinem Inneren verbirgt sich eine Kamera Obscura, in der sich die Stadt in Echtzeit wiederspiegelt.

Leider erklärte man uns auf Deutsch, dass dieser Raum nur während Vorführungen zu besichtigen ist und die nächste in Englisch oder Deutsch erst um 18.00 Uhr stattfindet. Trotzdem bezahlten wir 6 Euro Eintritt je Person und erklommen die 45m hohe Terrasse des Turms. Die grandiose Rundumsicht ist jeden Cent wert!

 

Wieder am Boden, bummelten wir noch ein wenig durch die Altstadt, bevor wir Cadiz verließen, um in Jerez de la Frontera den Nachmittag zu verbringen.

 

 

Jerez de la Frontera

Diesmal vom Google-Navi des Handys geleitet, führte der Weg wieder über die Brücke nach Puerto Real und von dort nach Jerez, insgesamt rund 32 lustige Kilometer, weil das Google-Navi aus Straßennamen wie CA-35 „circa 35“ machte und Abkürzungen wie Jerez de la Fr. mit „de la fr-punkt“ intonierte.

 

Wir parkten dank zielgenauer Navigation direkt an der berühmten Alcázar de Jerez de la Frontera, die im Vergleich zum quirligen Cadiz fast schon verlassen wirkte. Den Grund dafür erfuhren wir zu unserem Verdruss dann auch recht bald, im Gegensatz zu den bisher offerierten Öffnungszeiten bis 17.30 Uhr, war jetzt nur noch täglich bis 14.30 Uhr geöffnet. Den lieblos am Eingang aufgeklebten Zettel vermittelten wir direkt an Google, um anderen Touristen diese Enttäuschung zu ersparen.

 

Dennoch ließen wir uns von der mittelalterlichen maurischen Festung beeindrucken, die sich im Zusammenspiel mit den jetzt im Frühjahr violett blühenden Jacarandabäumen sowie den Palmen prächtig präsentierte.

 

Anschließend besichtigten wir die sehenswerte Catedral de Jerez (Eintritt 6 €/P) mit musealen Bestandteilen und bummelten durch die wie leer gefegte Altstadt. Immerhin begegneten uns mit einer Pferdekutsche und der Tio Pepe Skulptur mit Weinfass zwei weitere Sehenswürdigkeiten, für die Jerez bekannt ist. Ein ausgiebiger Snack in einer der Tapasbars um den Plaza del Arenal rundete den Nachmittag ab.

 

Wir verließen Jerez in Richtung Nordosten, in der Hoffnung, zum Abschluss die berühmte Rennstrecke von Jerez besichtigen zu können und vielleicht sogar in Aktion zu erleben, ab und zu finden hier neben den offiziellen Rennen auch Trainings und öffentliche Rennzeiten statt, nicht jedoch heute.

 

So endete unsere Tagestour in den Westen Andalusiens mit vielen schönen Eindrücken und tollen Bildern, aber auch mit dem Gefühl, dass wir touristisch nicht ganz befriedigt waren.